Aufgrund neuer Regeln verpasst Jugendmusikcorps der Freiwilligen Feuerwehr Großen-Linden Sprung aufs WM-Treppchen
KREIS GIESSEN (ee). Eine Silbermedaille hätte das Jugendmusikcorps der Freiwilligen Feuerwehr Großen-Linden bei seinem gestrigen Auftritt beim World Music Contest (WMC) in der "First Division" des Marschwettbewerbs eigentlich gewonnen, denn dafür hätten die erzielten 78,86 Punkte ausgereicht. Eigentlich... Weil der Ausrichter aber seine Kriterien dahingehend geändert hat, dass nur noch die drei besten Bands einer Kategorie am Ende der bis zum 2. August gehenden Weltmeisterschaft mit Gold, Silber oder Bronze ausgezeichnet werden, reichte es dafür für das Jugendmusikcorps dann leider doch nicht. Doch unter Zugrundelegung der alten Wertungsstruktur wäre es Silber gewesen und darüber haben sich alle Akteure auch mächtig gefreut - als Lohn eines fast einjährigen intensiven Übungsprocederes.
"Das war super", lobte Musikcorps-Vorsitzender Klaus Demuth die Leistung und auch Leiter Alexander Mehl war mächtig stolz auf seine Truppe, die mit den beiden Märschen "Arnhem" und "Our banner" das bestmöglichste Ergebnis erzielt hatte. "Drillmaster" Peter Everts, der bereits beim Weltmeisterschaftserfolg 1974 für die Marschausbildung verantwortlich zeichnete, sprach von einer "sehr strengen Bewertung" der drei Preisrichter und konnte die Jugendlichen nicht genug loben, denn die Teilnahme mit dem Nachwuchsorchester war auch für den ehemaligen holländischen General ein Novum und barg besondere Schwierigkeiten, wie etwa der Größenunterschied von bis zu einem halben Meter.
In dem mit 8000 Zuschauern nicht einmal zur Hälfte gefüllten Parkstad Limburg-Stadion war die in fünf Bussen und zahlreichen Privatfahrzeugen rund 300 Personen umfassende Lindener Fangemeinde mit Stadtverordnetenvorsteher Jörg König und Bürgermeister Dr. Ulrich Lenz an der Spitze leicht auszumachen. Wie vor vier Jahren logierte der Lindener Fanblock auf der Gegengeraden und war durch das große "Straight March"-Transparent, den weißen T-Shirts mit "Straight March"-Aufdruck und den geschwenkten Deutschland-Fähnchen im weiten Stadionrund leicht auszumachen. Um 12.12 Uhr lachte die Sonne ins Stadion und angesichts der doch recht trüben Anfahrt mit zahlreichen Regenschauern beflügelte die Sonne die Nachwuchsmusiker, die mit ihrem achtminütigen Vortrag auch die Herzen der zahlreichen Zuschauer eroberten.
Lautstark angefeuert von der Fangemeinde aus Linden, absolvierten die 45 Jungen und Mädchen mit einem Durchschnittsalter von 16,8 Jahren den 350 Meter langen Parcours in nie gekannter Souveränität. Dies hatte 20 Stunden zuvor bei der Generalprobe auf dem heimischen TSV-Sportplatz noch ganz anders ausgesehen. Gab es bereits beim Einmarsch ins Stadion lautstarken Beifall und stehende Ovationen von den mitgereisten Fans, so brandete frenetischer Jubel im Lindener Block auf, als die Jugendlichen beim kurzen Marschstück frontal zur Gegengeraden marschierten. Um 12.20 Uhr war bereits alles vorbei und ein gelungener Auftritt lag hinter dem Jugendmusikcorps.
Begeistert zeigte sich unmittelbar nach dem Ausmarsch aus dem Stadion "Drillmaster" Peter Everts. "Das waren heute 100 Punkte von mir, egal, wie die Preisrichter entscheiden!", lobte dieser das Jugendmusikcorps. Manchem Jugendlichen war in diesem Moment die hohe Anspannung noch anzumerken und erst langsam beruhigte sich nach dem Auftritt das angespannte Nervenkostüm. Welch geschlossenes Team Alexander Mehl und Peter Everts hier in den letzten Monaten sprichwörtlich zusammengeschweißt hatten, zeigte sich vor allem auch bei jenen vier Jugendlichen, die am WM-Auftritt nicht teilnehmen konnten und ihre Musikerkameraden nicht nur begeistert anfeuerten, sondern auch anschließend zu ihrem gelungenen Auftritt beglückwünschten. Beim abschließenden Finale waren diese dann mit dabei und zogen mit dem Jugendmusikcorps zur Preisvergabe ins Stadion ein.