Artikel vom 27.10.2009 - 23.01 Uhr
Linden (gbp). Hessenkittel, Hüttenberger Trachten und Musikkorps-Klänge im Land der aufgehenden Sonne: Im Rahmen der Feierlichkeiten »50 Jahre Stadtrechte Warabi« wird eine Lindener Delegation - mit 68 Personen so groß wie noch nie in der Geschichte der deutsch-asiatischen Städtepartnerstadt - in die japanische Partnerstadt Lindens reisen.
Sushi mit Essstäbchen beim Treffen vor der großen Reise: Hinten DJG-Präsident Günter Weiß, Musikkorps-Vorsitzender Klaus Demuth und Frank Schorge, die gemeinsam mit Erstem Stadtrat Dieter Lehr und Stadtverordnetenvorsteher Jörg König die Delegation leiten (rechts). Links langjährige Präsident und Ehrenmitglied der DJG Ludwig Hedrich. (Foto: gbp)
Die Gruppe, die aus Vertretern der Stadt und der Deutsch-Japanischen Gesellschaft (DJG) Linden-Warabi sowie dem Musikkorps der Freiwilligen Feuerwehr Großen-Linden besteht, besucht auf offizielle Einladung der Stadt Warabi, die die Reise der Freunde aus Linden vor Ort auch finanziell unterstützt.
Die Delegationsleitung hat Stadtverordnetenvorsteher Jörg König, Erster Stadtrat Dieter Lehr, DJG-Präsident Günter Weiß sowie der Vorsitzenden Klaus Demuth und Frank Schorge vom Musikkorps. Günter Weiß und Frank Schorge haben eine 50-seitige Broschüre erstellt, die zahlreiche Informationen über die Delegation, das Reiseprogramm, Sehenswürdigkeiten und Verhaltensregeln und Besonderheiten des Gastlandes enthält, darunter auch über die Lindener Partnerstadt Warabi, die 1959 zur 547. Stadt Japans ernannt wurde. In Warabi, das 20 Kilometer nördlich von Tokio liegt, leben 73000 Einwohner auf nur rund fünf Quadratkilometern; jedem Einwohner stehen so lediglich 75 Quadratmeter zur Verfügung. Dies macht Warabi zur dicht besiedelsten Stadt Japans.
Am morgigen Donnerstag werden die 18 Vertreter der politischen Gremien und 14 Vertreter der DJG nach Japan fliegen. Am Ankunftstag stehen der Besuch des Warabi-Schreins und eine Begrüßungsparty in der Stadthalle mit Parlamentspräsident Kawachima und den Gastfamilien auf dem Programm, bei denen die Gruppe untergebracht ist. Am Freitag folgen 36 Mitglieder des Musikkorps der Freiwilligen Feuerwehr Großen-Linden - »kulturelles Aushängeschild unserer Stadt«, wie Bürgermeister Dr. Ulrich Lenz in seinem Grußwort in der Broschüre schreibt. Die Musikkorps-Mitglieder wohnen im »DK-House« in Warabi, einem exklusiven Studentenwohnheim, das die Stadt Warabi der Reisegruppe zur Verfügung stellt. Die rund 9000 Kilometer weite Flugreise ist für das Musikkorps keine kleine Sache; schließlich muss rund eine halbe Tonne Extragepäck - Uniformen, Instrumente, Notenständer und weiteres Material von 33 Musikern - verpackt und transportiert werden.
Am Jubiläum nimmt auch mit Warabi befreundete Delegation aus El Dorado teil
Im Gepäck haben die Japanreisenden auch Geschenke zum Stadtrecht-Jubiläum der Partnerstadt: Eine Fotomontage mit Aufnahmen aus Linden wird die Stadt Linden schenken, die DJG einen Stadtplan mit japanischen Straßennamen und das Musikkorps eine MC-Uniform. Zu dem Jubiläum wird auch eine Delegation aus El Dorado (USA) anreisen, das mit Warabi partnerschaftlich verbunden ist.
Am Sonntag steht die Teilnahme am offiziellen Festakt zum Stadtrecht-Jubiläum auf dem Programm, im Anschluss wird das Musikcorps ein halbstündiges Konzert geben. Nachmittags findet ein japanisches Kulturfest statt und abends eine Willkommensparty in der Stadthalle. Am Montag besucht die Delegation die Stadt Kamakura, die von 1185 bis 1333 Hauptstadt Japans war und über zahlreiche buddhistische Tempel und Sinto-Schreine verfügt und den mit über elf Metern derzeit größten Buddha unter freiem Himmel. Am Dienstag ist der »Tag der Kultur«, an dem in ganz Japan Preisträger mit dem Kaiserorden ausgezeichnet werden. Zudem wird an diesem Tag der Keyaki-Kulturpreis der Stadt Warabi verliehen. Als bislang einzige Ausländer wurden bereits Günter Weiß und der langjährige Präsident und Ehrenmitglied der DJG Ludwig Hedrich mit diesem Preis ausgezeichnet.
Daimyo’s Prozession wird vom Musikkorps angeführt
Einer der Höhepunkte dieses »Shukuba Festival« genannten Kulturtages ist die Daimyo’s Prozession, ein Festzug, der vom Musikcorps angeführt werden wird. Vertreter der Stadt und der DJG werden in dem Zug in Hessenkitteln und drei Hüttenberger Trachten mitlaufen. Im Anschluss gibt das Musikcorps ein Platzkonzert. Die nächsten beiden Tage sind der Hauptstadt Tokio gewidmet: Am Mittwoch stehen eine Stadtrundfahrt, die Besichtigung von Sehenswürdigkeiten wie Asakusa-Schrein und -Tempel, Kaiserpalast und Parlament und eine Bootsfahrt auf dem Sumida-River auf dem Programm.
Am Donnerstag können wahlweise die Tokioer Elektronikmeile Akihabara oder das Geschäfts- und Vergnügungsviertel Ginza entdeckt werden. Dabei werden die Lindener betreut von Mitgliedern der Japanisch-Deutschen Gesellschaft (JGD) Warabi-Linden, die die deutsche Gruppe für den Abend ins Bürgerhaus eingeladen hat. »Kultur pur« ist am Freitag angesagt: Es geht nach Nikko, der Stätte der Schreine und Tempel. Hier ist auch die plastische Darstellung der drei Affen zu sehen die »nichts (Böses) sehen, nichts (Böses) hören, nichts (Böses) sagen«. Am Samstag wird man sich in Warabi aufhalten und an einer Teezeremonie teilnehmen, was als große Ehre gilt. Abends steht eine Sayonara-Party auf dem Programm, denn am nächsten Tag reist bereits ein großer Teil des Musikkorps nach Deutschland zurück.
Die verbleibende Reisegruppe wird mit dem über 300 Stundenkilometer schnellen Zug »Shinkansen« nach Hiroshima reisen, wo sie von einem guten Bekannten erwartet wirdn der Autor Martin Stanzeleit, der als Cellist Mitglied des dortigen Synphonieorchester ist und den die Lindener von Lesungen bei der DJG kennen. In Hiroshima steht der Besuch von Friedenspark und Museum auf dem Programm. Am Montag unternimmt die Gruppe einen Ausflug auf die Insel Miyajma, wo sie Itsukushima-Schrein und den Berg Misen besuchen. Dienstag geht es zurück nach Warabi, bevor man am Mittwoch zurückfliegt.