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Japaner sind stolz auf ihre Traditionen

Giessener Allgemeine - Artikel vom 10.11.2009

Japaner sind stolz auf ihre Traditionen

Linden (pm). Frank Schorge, im Vorstand des Musikcorps Großen-Linden für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, berichtet für die »Allgemeinen« über die letzten Tage des eindrucksvollen Japan-Aufenthalts der Lindener Delegation. Am zweiten Tag des Drei-Tages-Trips nach Hiroshima (im Südwesten der japanischen Hauptinsel Honshu gelegen) ging es für die Lindener Reisegesellschaft auf die Insel Miyajima. Begleitet wurde man an diesem Tag von einem Freund der Deutsch-Japanischen Gesellschaft (DJG) Linden-Warabi. 

Die Lindener Reisegruppe vor dem Torii auf Miyajima in der Bucht von Hiroshima. (Fotos: pm)
Martin Stanzeleit, gebürtig aus dem Sauerland und mit einer Japanerin verheiratet, lebt seit Jahren mit seiner Familie in Hiroshima und hatte im Vorfeld der Reise vor Ort alle organisatorischen Dinge des Hiroshima-Aufenthaltes übernommen. Als Solocellist ist er im übrigen beim Hiroshima Symphonieorchester tätig und agiert zudem als Dozent an der hiesigen Musikhochschule.

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Die Insel Miyajima, die zu den drei schönsten Orten Japans zählt, liegt in der Bucht von Hiroshima. Hier befindet sich die Weltkulturerbebestätte des Shinto-Schreins von Itsukushima. Die dort verehrte Gottheit schützt die Menschen vor Unglücken auf dem Meer sowie vor Kriegen. Es heißt, der Schrein sei um das Jahr 593 errichtet worden. Aber erst mit der Umgestaltung im Jahre 1168 wurde die höchst beeindruckende Anlage mit ihrem zinnoberroten Lackanstrich errichtet, wie sie bis heute besteht. Die Bestandteile des Schreins sind das Torii (das den Schrein symbolisiert und eines der meistfotografierten Wahrzeichen Japans darstellt) sowie die Shaden (Schreinhalle) im Meer, die beide bei Flut aus dem Wasser ragen, während sich das Meer bei Ebbe zurückzieht, so dass man trockenen Fußes zum Tor gelangen kann.
Bis ins 11. Jahrhundert durften nur Priester der Tempel und Schreine ihren Fuß auf die Insel setzen, alle anderen Besucher kamen per Boot direkt in die Schreinanlage. Während des Durchreitens der Schreinhalle konnten man einer shintoistischen Hochzeitszeremonie beiwohnen. Nach dem Mittagessen in einem von einer fünfstöckigen Pagode umgebenen privaten Anwesen ging es aufwärts zum Berg Misen (455 m), zu dem eine Seilbahn hochführt.

Auf dem Beg liegt unter anderem der Tempel Gumoji-do. Hier findet zweimal im Jahr die hiwatari (Feuer-Überquerung) genannte Zeremonie statt, bei der die Mönche barfuß durchs Feuer schreiten. Trotz des an diesem Tag diesigen Wetters bot sich den Besucher aus Linden ein traumhafter Ausblick auf die Bucht von Hiroshima und den Pazifik. Am Abend führte Martin Stanzeleit die Gäste aus Deutschland in ein Restaurant, in dem lokale Spezialitäten gereicht wurden, die wieder einmal die exzellente Qualität der japanischen Küche widerspiegelten.
Den Dienstag verbrachte die Lindener Reisegruppe dann wieder in der Stadt Hiroshima. Nach dem Wiederaufbau ab 1949 entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Industriestandort und ist heute mit über 1,1 Millionen Einwohnern die elftgrößte Stadt Japans. Die Strahlenbelastung sei heute in der Hafenstadt nicht über dem Niveau der gewöhnlichen »Hintergrundstrahlung« (natürliche Radioaktivität) und somit nicht höher als in anderen Gebieten der Erde, wurde berichtet.

Erster Anlaufpunkt war der im Zentrum befindliche Shukkeien, ein im 17. Jahrhundert angelegter japanischer Garten mit Teichanlage. Er stellt in Miniatur die Landschaft des Westsees in Hangchow (China) dar. Vorbei am Kunstmuseum, das eine große Anzahl Werke europäischer Meister wie z.B. Monet, Renoir, Manet, Degas und Maillol enthält sowie Werke moderner japanischer Künstler sein Eigen nennt, besuchte man abschließend das Schloss.
Die prächtige Burg bot früher einen majestätischen Anblick, wurde aber durch die Atombombe restlos zerstört. Die heutige Konstruktion stammt aus dem Jahr 1958 und beherbergt ein historisches Kunstgewerbemuseum. Am Nachmittag ging es nach drei eindrucksvollen Tagen in Hiroshima mit dem Schnellzug »Shinkansen«“ zurück gen Norden in das gut 800 Kilometer entfernte Warabi, wo man die letzte Nacht verbrachte, ehe es nach zwölftägigem Aufenthalt zurück nach Deutschland gehen wird.