Giessener Allgemeine - Artikel vom 08.11.2009
»Sayonora, Warabi!«
Linden (bf). Der letzte Tag in Warabi begann für die Lindener Reisegruppe mit alternativen Programminhalten. Während ein Teil mit den Gastfamilien Ausflüge in die nähere Umgebung unternahm, gestaltete der Rest der Delegation den Tag in der Partnerstadt Warabi.

Warabis Bürgermeister Yoritaka dirigierte das Musikkorps – mit Essstäbchen. (Foto: bf)
Zunächst kam man im Heimatmuseum in den Genuss einer traditionellen japanischen Teezeremonie. Dem schloss sich ein Stadtrundgang an. Imponierend, wie die Bürger trotz engster Verhältnisse es schaffen, rund um ihre Häuser mit allerlei Pflanzen für Behaglichkeit und Atmosphäre zu sorgen.
Nach dem Rundgang machten einige noch dem Sangakuin-Tempel mitten in Warabi ihre Aufwartung bzw. besuchten die Berufsfeuerwehr. Dann hieß es schon sich auf die abendliche »Sayonara-Party« einzustimmen. Zu deren Beginn ließ Bürgermeister Hideo Yoritaka die vergangenen, mithin ereignisreichen Tage noch einmal Revue passieren. Er dankte den Lindenern für die Begleitung der Festlichkeiten »50 Jahre Stadt Warabi«.
Auf Lindener Seite unterstrichen Parlamentspräsident Jörg König, der Präsident der DJG Linden-Warabi, Günter Weiß, sowie Musikcorps-Vorsitzender Klaus Demuth die kaum zu übertreffende Gastfreundschaft der Japaner sowie die perfekte Organisation während der Tage in der Partnerstadt. Demuth übereichte Bürgermeister Yoritaka eine Unform des Musikcorps inklusive Mütze. Beim Aufritt der Brass-Band nutzte Yoritaka die Gunst der Stunde und dirigierte – mit einem Essensstäbchen. Die Band brachte binnen Minuten Stimmung in die Halle im Stadtteil Chuo. Bei kulinarischen Köstlichkeiten ging der Abend viel zu schnell vorüber und ein Schuss Wehmut durchwehte den Raum.
Die sieben Tage in Warabi waren wie im Fluge vergangen, viele neue Freundschaften wurden geschlossen und das vor einer Woche noch so »ferne Land Japan« war auf einmal gar nicht mehr so fremd. Nachdem die letzten Gastgeschenke überreicht waren, gingen die Feiern in den Familien weiter. Die Akteure des Musikcorps, im Studentenwohnheim abgestiegen, unterhielten mit einigen Arrangements die international breit gefächerte Studentenschaft.
Am nächsten Morgen galt es für einen Großteil der Musiker Abschied zu nehmen von Japan. Auch im »Land des Lächelns« hatte es die international renommierte Band verstanden, die Menschen mit ihrer Musik zu begeistern und neue Freunde zu gewinnen. Vorsitzender Demuth zog auch im Namen aller Musiker ein rundum positives Resumee der Reise – übrigens die erste in Asien. Insbesondere die Gastfreundschaft machte nachhaltigen Eindruck: »Gerade unsere jüngeren Musiker haben hier Erlebnisse und Erfahrungen machen dürfen, die prägend sein werde. Neben der gewonnenen Sensibilität für die Kultur haben wir die japanische Lebensweise hautnah erleben dürfen.« Eine Wiederholung scheint da nicht ausgeschlossen.
Bleibende Eindrücke aus Hiroshima mitgenommen
Szenenwechsel: Hiroshima, Ziel des ersten Atombombe am 6. August 1945, war letzte Station der Lindener während des 13-tägigen Japan-Trips. Erster Anlaufpunkt war nach fünfstündiger Fahrt mit dem »Schinkansen« (bis zu 360 km /h) der »Genbaku-Dome«, der 1945 zerstört wurde. Seit 1996 gehört er zum Weltkulturerbe. Ein Symbol, das auch bei den Oberhessen bleibenden Eindruck hinterließ. Dieser verstärkte sich noch beim Gang durch den »Friedenspark«, wo sich auch das Friedensmonument der Kinder und der Gedenkstein für die Opfer der Atombombe befinden. Vor dem Mahnmal brennt die Friedensflamme, die erst gelöscht werden soll, wenn alle Nuklearwaffen dieser Welt abgeschafft sind.