Giessener Allgemeine vom 18.07.2005
Linden (gbp) Eine Goldmedaille mit Auszeichnung und dazu noch der Publikumspreis - mit diesen Auszeichnungen im Gepäck kehrten die Musiker des Musikcorps der Freiwilligen Feuerwehr Großen-Linden am Samstag Abend überglücklich aus dem niederländischen Kerkrade zurück. Vor fast 5000 Zuschauern im 19 500 Menschen fassende Parkstad-Limburg-Stadion hatten die Jungs beim „World Music Contest“ (WMC) gezeigt, dass sie noch immer oder schon wieder ganz vorn in der Weltspitze mitspielen.
Der alle vier Jahre stattfindende WMC gilt als bedeutendstes internationales Festival für Orchester-Musik der Welt. In diesem Jahr nahmen an dem Wettbewerb, der an den vier Juliwochenenden ausgetragen wird, rund 19 000 Musiker vor insgesamt 200 000 Zuschauern teil. Bereits 1962, 1966 und 1970 hatten die Großen-Lindener Goldmedaillen errungen, 1974 gelang ihnen der legendäre Triumph: die Doppelweltmeisterschaft.
Nach über 30 Jahren wieder musizierend auf dem Weg aus den Stadionskatakomben durch das Tor einzumarschieren - das allein war schon ein bewegender Moment für die fünfzig Musiker; doch das Gefühl sollte noch „getoppt“ werden. An der Startlinie hieß es , im „Achtung“ stehen, dann wurde die Präsentation freigegeben. Was nach der ersten Linksschwenkung folgte, verursachte spontane Gänsehaut an 100 Musikerarmen: Unter den Klängen der Marines Hymne Fantasy, dem Remake des Weltmeistertitels aus der Feder von Peter Kleine Schaars, marschierten sie regelrecht auf eine „weiße Wand“ zu - die fast vierhundert Lindener Fans in ihren weißen Musikcorps-T-Shirts in „Block 12.“, die weithin sichtbar mit einem riesigen Banner „Go Marines Hymne“ grüßten und „ihrem“ Musikcorps begeistert entgegenjubelten. Diese überwältigende Unterstützung sorgte nicht nur für wohlige Schauer, sondern auch für Motivation für den Rest des Parcours. Ohne Tambour - eine gewaltige Schwierigkeit und „Clou“ der Großen-Lindener - bildeten die Männer nicht nur aus Tönen einen Klangkörper, sondern waren auch optisch eine geschlossene Einheit, ein einziger Organismus aus fünfzig „Körperteilen“. Nach Überschreiten der Stopp-Linie endete die Wertung, die Musiker marschierten mit Musik quer über den Platz ab.
Der Auftritt der Großen-Lindener gegen 15.45 Uhr war natürlich der heißersehnte Höhepunkt für die Fans, die bereits am frühen Morgen mit fünf Bussen und zahlreichen Autos Richtung Niederlande gestartet waren. Aber auch der gesamte Veranstaltungstag hatte so manchen optischen und akustischen Leckerbissen parat und bot mit Bands aus Thailand, Spanien, Brasilien, Belgien, Niederlande und Deutschland Show vom Feinsten. Zur Preisverleihung am Ende der Veranstaltung waren alle Band auf dem Kerkrader Rasen versammelt und - ob Zufall oder nicht - die Lindener konnten durch die Aufstellung „ihren“ Musikern im wahrsten Sinne des Wortes den Rücken stärken und bei der Bekanntgabe des Ergebnisses von 90,12 Punkten von 100 erreichbaren ihrem Jubel freien Lauf lassen. Damit liegen die Großen-Lindener in der Championship-Division des Marschwettbewerbs bislang an zweiter Stelle.
„Das war für uns der Mount Everest“, sagte Vorsitzender des Musikcorps Klaus Demuth. Besonders überwältigend für alle Musiker sei die Begeisterung und Anteilnahme des „Zwölften Mannes“, der Fans gewesen. Aus diesem Grund habe man sich auch entschieden, die Einladung der Kerkrader auszuschlagen, auf ihrem Marktplatz zu spielen und mit den Bands aus aller Welt zu feiern. Stattdessen kehrten die Akteure gleich nach Großen-Linden zurück, um dort nach einem spontanen nächtlichen Platzkonzert gemeinsam mit den Fans bis tief in die Nacht den Erfolg zu feiern. Dort war Gelegenheit für Vorsitzenden Demuth und den musikalischen Leiter Thomas Schmidt, sich nicht nur bei den Fans zu bedanken, sondern auch bei denen, die ganz besonders engagiert für den Erfolg gearbeitet hatten: Frank Schorge und Markus Trinklein für die Gestaltung der umfangreichen Broschüre, die viel Wissenswertes und Historisches über Musikcorps und en WMC vermittelt, bei Rudi Schmidt für die große Organisationsleistung und nicht zuletzt beim „Drillmaster“, dem niederländischen Brigadegeneral Peter Everts, der spontan lautstark von seinen Schützlingen mit „Es gibt nur einen Peter Everts“ gefeiert wurde. Auch Bürgermeister Dr. Ulrich Lenz , der die Show in ebenfalls live in Kerkrade miterlebt hatte, gratulierte und erklärte begeistert: „Das macht einfach Spaß“ Die Teilnahme und der Erfolg habe Zusammengehörigkeitsgefühl und Motivation gestärkt, erklärte Demuth; er hoffe auch, dass das Ereignis die Aufmerksamkeit internationaler Impresarios errege und das Musikcorps damit neuen attraktive Auftrittsmöglichkeiten entgegensehen könnte.

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